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Interview mit Vegetarierin Edita

 von Claudia Zeier Kopp, Vizepräsidentin VgT

Edita holt mich am Eingang eines grossen Shopping Centers ab, wo wir uns verabredet haben. Eine hübsche,  aufgestellte, schlanke und strahlende junge Frau kommt mir entgegen. Im zackigen, sportlichen Schritt führt sie mich zu ihrer Wohnung, die ganz in der Nähe liegt.

Die 28-jährige Edita ist verheiratet, hat keine Kinder und ist mit einem 100 %-Job und einer anstrengenden Weiterbildung voll ausgelastet.

Edita ist seit circa dreieinhalb Jahren Vegetarierin, sogar "beinahe-Veganerin", da sie generell immer mehr auf tierische Produkte verzichtet. So hat sie Milchprodukte mit veganen Produkten (zum Beispiel Sojarahm) ersetzt und isst nur noch selten ein wenig Käse und Eier, wenn es sich kaum vermeiden lässt, weil sie öfters berufsbedingt auswärts rasch etwas essen muss. Wenn es aber nur irgendwie geht, dann wählt Edita S. die vegane Option. 

Kein bestimmtes Erlebnis oder Ereignis hat Edita zum Vegetarismus geführt. Der Hauptgrund ist ganz simpel und einfach: Edita hat Tiere sehr gerne und möchte nicht, dass sie ihretwegen leiden müssen - auch Nutztiere nicht.

Nebst diesem ethischen Hauptgrund kommt aber noch ein weiterer für Edita wichtigen Punkt dazu: ihre Gesundheit. 

Edita betreibt sehr viel Sport. Sie spielt Tennis, besucht ein Fitnesscenter 3- bis 4-mal pro Woche und macht auch Jogging. Seit Edita sich konsequent vegetarisch ernährt, hat sie festgestellt, dass diese Form der Ernährung sie weit weniger belastet (zum Beispiel die Verdauungsorgane) und dass sie eindeutig leistungsfähiger geworden ist. Früher, als Edita noch Fleisch ass, fühlte sie sich körperlich allgemein träger und war weniger motiviert, Sport zu betreiben. 

Als Edita auf die vegetarische Ernährung umstellte, hatte sie in ihrem Umfeld keine ausgesprochenen negativen, aber dafür sehr skeptische Reaktionen. Explizit positive Reaktionen blieben damals aus, nur eine gewisse Akzeptanz wurde ihr entgegengebracht.

Freunde und Familie belächelten Edita und prophezeiten, dass sie das nie  durchhalten würde und es nur eine Zeitfrage sei, bis sie wieder zum Fleisch essen zurückkehren würde. "Darauf können die aber lange warten!", schmunzelt Edita denn sie fühlt sich derart  gut, dass sie nie mehr Fleisch essen will.

Sprüche aus dem Freundeskreis, wie etwa "Du wirst bald das knusprige Poulet oder die saftige Bratwurst beim Grillieren vermissen, weil da gibt es keinen würdigen Ersatz dafür",  berühren Edita nicht. Heute reagiert sie auch nicht mehr auf skeptische oder gar negative Reaktionen. "Ich muss niemandem gegenüber meine vegetarische Lebensweise rechtfertigen", sagt Edita. 

Aus Edita ist mittlerweile eine selbstbewusste Vegetarierin geworden und inzwischen haben sich auch einige Vegetarier zu ihrem Freundeskreis gesellt. Edita stellt je länger je mehr ein allmähliches Umdenken fest -  und dass sie als Vegetarierin keine Aussenseiterin mehr ist, findet sie absolut positiv. 

Heute ist es auch selbstverständlich, dass Edita bei Einladungen nicht dem Gastgeber zuliebe "weich" wird und "anstandshalber" Fleisch, anstatt nur Beilagen essen würde. Oder noch besser: Sie sagt klar im voraus, dass sie Vegetarierin ist. 

Edita spricht ganz offen über ihre Ernährungsweise, aber sie missioniert nicht. Sie findet es viel besser mit gutem Beispiel voranzugehen, anstatt Energien bei ungewünschten „Bekehrungen“ zu vergeuden  – schliesslich sieht man ihr  ja an, wie gut es ihr geht und nur auf das kommt es letztendlich an. 

Wird Edita aber direkt  angesprochen, wieso sie sich vegetarisch ernährt, dann bringt sie ganz klare Argumente, die für die vegetarische Lebensweise sprechen. Nicht nur ethische und gesundheitliche Gründe führt sie dann auf, sondern weist auch  darauf hin, dass es heute für praktisch Alles vegetarische oder sogar vegane Ersatz-Produkte gibt, die absolut ebenbürtig zu sämtlichen tierischen Produkten sind. Wieso soll man sich da noch mit Fleisch essen belasten? Das ist nicht nur unlogisch, sondern auch purer Unsinn. 

Edita war immer eine sehr bewusste Konsumentin, die sich für ihre Ernährung interessierte - deshalb informierte sie sich diesbezüglich schon in jungen Jahren. Weil sie die Natur und Tiere schon immer liebte, dachte sie früher oftmals nach dem  Fleisch essen: "musste das jetzt sein, dass ein Tier sterben musste, womöglich nach einem gequälten, traurigen Leben in der Massentierhaltung, nur damit ICH Fleisch essen kann?"

Je älter Edita wurde, belastete dieser Gedanke sie zunehmend mehr, bis sie es nicht mehr ertrug und Vegetarierin wurde. Viele Kollegen und Freunde von Edita denken inzwischen auch kritischer über das Fleisch essen nach, aber einige verdrängen diese Gedanken lieber (noch)… 

Edita kauft viele vegane Produkte im Internet ein, was sehr praktisch ist. Bioläden und Reformhäuser sucht sie aber auch auf und staunt immer wieder was für ein reichhaltiges Angebot Vegetariern und Veganern zur Verfügung steht. "Es gibt für Alles Alternativen, die eine Umstellung auf die vegetarische oder vegane Ernährung sehr leicht machen -  wenn man bereit ist dazu und es wirklich will!" 

Edita empfindet ihre vegetarische Lebensweise als eine psychische Entlastung, da sie dadurch nicht nur die Tiere, sondern auch die Umwelt schont. Das macht sie ausgesprochen zufrieden, sie muss sich nicht mehr ein unethisches Verhalten vorwerfen und fühlt sich gut in ihrer Haut.

Ihre allgemeine Lebensqualität hat sich verbessert - und zwar nicht nur auf der körperlichen, sondern auch auf der seelischen Ebene. "Seit ich vegetarisch lebe fühle ich mich viel ausgeglichener und glücklicher", betont Edita.

Einmal kochte Edita Zuchetti gefüllt mit einer veganen Bolognese Sauce. Ihr Mann, der immer noch Fleisch isst, bemerkte nicht, dass seine Frau ihm keine "richtige" Bolognese auftischte. Erst nachträglich, nachdem er sagte, wie ihm das Essen geschmeckt hatte, informierte Edita ihn. Er konnte es nicht glauben und Edita musste ihm die Packung zeigen, damit er selbst nachprüfen konnte, was er soeben gegessen hatte. "Das beweist doch, dass Fleisch  - oder auch andere tierische Produkte - zu essen, doch absolut unnötig ist!", sagt Edita und strahlt vor sich hin.  

Es war eine Freude diese junge Vegetarierin zu interviewen. Hoffentlich lassen sich andere junge -  und auch ältere – Nicht-Vegetarier von ihr anstecken und versuchen auf  Fleisch und andere tierische Produkte zu verzichten.

Edita hat übrigens eine vegane Katze.

Die Belohnung dafür ist eine bessere Gesundheit, eine allgemein erhöhte Lebensqualität, mehr Seelenfrieden und Ausgeglichenheit und ein reines Gewissen, dass man  kein Tierleid mehr mitverantwortet.

Wie kann man eigentlich auf so etwas Positives und Wunderbares, das mit wenig Mühe zu haben wäre, verzichten?

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